Ehemaliges Gutshaus Falkenberg, Berlin Grünau

Konservierung und Restaurierung der historischen Raumfassungen

Bearbeitungszeitraum: Juni bis Dezember 2008 

Auftraggeber: Restaurierungszentrum Berlin e.V.

 

Allgemein

Im Juni 2008 führten wir eine umfangreiche Untersuchung der historischen Farbfassungen des um 1830 errichteten Gebäudes durch. In deren Ergebnis zeigte sich eine ausgesprochen große Vielfalt an unterschiedlichen, hochwertigen Raumgestaltungen. Neben vollständig, in relativ gutem Zustand erhaltenen originalen Deckenmalereien, zeigte sich auch, dass diese zumindest teilweise, in neuere Deckengestaltungen einbezogen wurde. Ab einem gewissen Zeitpunkt verwendete man Leimfarben, die bei folgenden Renovierungen immer sehr anfällig gegen Zerstörung sind. Wegen des aus diesem Grunde ausgesprochen schlechten Zustands dieser Anstriche, wurde seitens des Landesdenkmalamtes entschieden, die ursprünglichen Fassungen freizulegen und zu restaurieren. Wenn bei einer Folgenden die ursprüngliche Gestaltung einbezogen wurde, sollten beide in ihrer Gesamtheit konserviert, restauriert und präsentiert werden. Da eine Raumgestaltung immer eine große ästhetische Komponente in sich birgt, waren weiterhin retuschierende und ergänzende Maßnahmen durchzuführen. Diese beschränkten sich jedoch auf das Angleichen von Fehlstellen an den Fondton, bzw. die Ergänzung von fehlender Schablonenmalerei mit Grautönen oder lediglich leicht gesättigten Farben. Das Original bleibt dadurch jederzeit erkennbar, insgesamt jedoch ergibt sich ein geschlossener, ästhetisch ansprechender Raumeindruck.

Obergeschossräume – Zustand vor der Restaurierung

Eine großzügige Außentreppe erschließt das Obergeschoss, in dem sich die repräsentativen Räume des Gutshauses befanden. Entsprechend dieser Nutzung waren sie mit anspruchsvoller Schablonenmalerei gestaltet. Neben den teilweise vollständig unter neueren Anstrichen und Tapeten verborgenen, freizulegenden Fassungen, waren hier Schäden in Form von tiefen Rissen und schollenbildenden Ablösungen des Malgrunds besonders zahlreich. Die älteren und neuesten haustechnische Modernisierungen setzten der Bausubstanz sehr zu. Außerdem führten frühere Renovierungsmaßnahmen zu Totalverlusten in einigen Bereichen, die sich glücklicherweise jedoch in Grenzen hielten.

Obergeschossräume – Restaurierungsmaßnahmen

Im so genannten „Gelben Raum“ (Arbeitsbezeichnung) beschränkten sich die restauratorischen Maßnahmen auf die Decke, da die Wände bis knapp unter das Decken-xel durchweg einfarbig gefasst waren. Die Konsolidierung des Malgrundes stellte eine ausgesprochen umfangreiche Instandsetzung des historischen Putzes dar. Die Hinterfüllung von Putzhohllagen und das Verfüllen von Rissen erfolgte unter Verwendung von dispergiertem bzw. mit Marmormehl versetztem Kalkmörtel. Nach der vollständigen Freilegung der ersten Deckenfassung, sowie der späteren Ergänzung mit grün- roten Palmettenbändern, wurde diese gereinigt und mit Grautönen unter Anwendung der historischen Schabloniertechnik retuschiert und ergänzt. Auch der Deckenfond wurde lediglich restauratorisch behandelt und nicht überstrichen, wodurch er nach Fertigstellung einen sehr lebhaften Eindruck macht.

Der im Beispiel gezeigte „Gelbe Raum“ wird nach der Restaurierung als Büro genutzt.

Erdgeschossräume – Zustand vor der Restaurierung

Auch im untergeordneten Erdgeschoss, welches als Sockelgeschoss ebenfalls direkt von außen zu erreichen ist und offenbar die Privaträume beherbergte, fanden sich anspruchsvolle Raumgestaltungen, hier in Form von Illusionsmalereien. Die blau- bzw. rosafarbenen Streifen an Wand- und Deckenflächen erwecken den Eindruck von Stoffbehängen, gemalte Elemente wie Kordeln, Schleifen und Bommeln vermitteln das Gefühl, man befinde sich in einem Zelt (Abb.5 und 8). 

Zu den bereits beschriebenen Schadensphänomenen des Obergeschosses kamen im Erdgeschoss in großem Umfang feuchte Wände und Putzschäden durch hygroskopisch aktivierte Salze hinzu. Durch den bei einer früheren Renovierung aufgetragenen Zemenputz in den Sockelbereichen wurden diese Schäden verstärkt.

Erdgeschossräume – Restaurierungsmaßnahmen

Bereits zu Beginn der Gesamtbaumaßnahme wurden Heizleitungen im Sockelbereich aufputz verlegt, was in kürzester Zeit zur Trocknung der Wände und durch die permanente Grundwärme zur Herabsetzung der Raumluftfeuchte und damit zur Deaktivierung der Salze führte. Lediglich in den Bereichen über den Zementputzen waren weiterhin Feuchtehorizonte erkennbar. Nach der Entfernung dier Zementputze (Abb.6) wurden diese und weitere Putzfehlstellen (Abb.7) mit Kalkputz geschlossen und Hohlagen verfüllt. Bei diesen Maßnahmen wurden die historischen Materialien und Techniken angewandt, um einen homogen Malgrund zu erhalten. 

Nach Freilegung und Reinigung der historischen Malerei wurden die ergänzten Neuputzflächen in Ihrer optischen Wirkung zurückgenommen, indem Sie an den historischen Fondton angeglichen worden sind. 

Die Retusche der satt Blau bzw. Orange erscheinenden Streifen erfolgte in schwach gesättigten Farbtönen (Abb.5 und 8).

Die Räume werden nach der Restaurierung als Werkstatt und Lagerraum genutzt.

Treppenraum – Zustand vor der Restaurierung

Da der Treppenraum bei einer früheren haustechnischen Modernisierungsmaßnahme zur Verteilung der Installationsleitungen in die einzelnen Räume benutzt wurde und die Verlegung Unterputz erfolgte, waren in Bereichen der Trassenführung besonders starke Verluste an historischer Malerei zu verzeichnen. Die gips- und zementhaltigen Füllungen, die die Leitungen oft nicht ausreichend überdeckten verursachten durch ihr Quellen und Schwinden Risse und schollenartige Putzablösungen.

Die Deckenmalerei wurde ursprünglich entsprechend der Breite des Raumes in drei Felder aufgeteilt und befand sich offenbar auch auf einer Art Deckenlucke zum Dachboden hin. Mit dem Ausbau des Daches zu Wohnzwecken und dem damit verbundenen Treppeneinbau, wurde sie im Bereich des Treppenlochs unglücklich beschnitten (Abb.9).

Treppenraum – Restaurierungsmaßnahmen

Die Restaurierungsmaßnahmen an der Decke des Treppenraums folgten der gleichen Methodik wie die in den vorgenannten Räumen: 

Malgrundkonsolidierung

Freilegen und Reinigen der Malerei (Abb.10)

Retuschierung und Ergänzung der Malerei (Abb. 11 und 12).

(Letzte Aktualisierung: Dez. 2008)