Villa Fähndrich in Luckenwalde

Villa Fähndrich – Generalinstandsetzung

Konservierung und Restaurierung von Wand- und Deckenmalerei

Bearbeitungszeitraum: 2010

Auftraggeber: Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB – Frankfurt / Oder)

 

Malereirestaurierung – Résumé

Künstlerische Architektur- und Raumfassung ist die Vollendung der Raumgestaltung. Bedingt durch den gesellschaftlichen und sozialen Wandel im vergangenen Jahrhundert, ist sie selbst in ihrer einfachsten Form, ein heute meist unbezahlbares Gut. Allein, weil sie Trends und subjektivem Geschmack nicht viel weniger unterworfen ist als die ganz alltägliche Mode, erfährt sie die ihr gebührende Wertschätzung nur in den wenigsten Fällen.

Eine tatsächliche Wertschätzung erfährt Architektur- und Raumfassung weder durch die alleinige Konservierung und pure Zur-Schau-Stellung Ihrer Fragmente, noch durch die Neufassung nach Originalbefunden. Sie erfährt sie erst, wenn man ihr die Möglichkeit gibt, in ihrer weitestgehenden Originalität eine möglichst geschlossene und ganzheitliche Wirkung entfalten zu können.

Aufgrund des großen Vertrauens seitens des Bauherrn und der Denkmalbehörden, konnten wir beim hier dokumentierten Projekt diese Idealvorstellung vollständig umsetzen. Unsere Arbeit folgt dabei den anerkannten Regeln und Grundsätzen restauratorischer Arbeit in vollem Umfang und lässt eine eindeutige und ganzheitliche Linie erkennen.

 

 

Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

Die Schadensbilder an den einzelnen Malereien lassen sich allgemein beschreiben, da sie mit einigen wenigen Besonderheiten im gesamten Gebäude anzutreffen waren.
Im Ergebnis der Abstimmungen mit den Denkmalbehörden wurde festgelegt, dass die bis 1925 entstandenen Bauphasen und deren polychromen Gestaltungen zu konservieren und zu restaurieren sind, da diese einen gewachsenen und auf einander aufbauenden Charakter haben. Alle danach vorgenommenen Umbau- und Veränderungsphasen waren für die Villa eher destruktiv und bei den Planungen zur Instandsetzung nicht weiter zu berücksichtigen.

Neue Türen und Fenster sollten sich am Bestand orientieren, um den Gesamteindruck des Gebäudes wieder erlebbar zu machen, jedoch durchaus zeigen, dass sie keine Originalbauteile sind. Durch diese Entscheidung, aufgrund der klaren Zustimmung des Bauherrn und entsprechenden Nutzungsanpassungen durch den späteren Nutzer konnten die historischen Geschossgrundrisse, mit einer einzigen Ausnahme, wieder hergestellt werden. Die besonders in ihrer Höhe äußerst großzügig bemessenen Räume bekamen außerdem entsprechend proportionierte Türen und ihre ursprüngliche Fenstergestaltung zurück.
Der Erhaltungsgrad an historischer Gestaltung und festeingebauter Ausstattung, der sich nach dem zielorientierten, differenzierten Rückbau zeigte, ist im gesamten Gebäude recht unterschiedlich. Nördlich des historischen Treppenraumes gab es nahezu vollständig erhaltene Fenster, Türen, Wandschränke und Parkettfussböden aus allen Bauzeiten bis 1905, die im südlichen Bereich in diesem Umfang nicht mehr zu finden waren. Allerdings hat sich mit Ausnahme einer Malerei im nördlichen Erdgeschoss (Raum 0.01-1), gerade im südlichen Teil der hauptsächliche Bestand an Deckengemälden erhalten. Deren Restaurierung war daher sehr wichtig, um der ganzheitlich hohen Wertigkeit aller Gebäudebereiche nach der Instandsetzung des Gebäudes gerecht zu werden. So hat nach der Fertigstellung jeder Raum der Hauptnutzflächen seine herrschaftlichen Dimensionen mit entsprechend dimensionierten und gestalteten Öffnungsverschlüssen und zusätzlich seine Besonderheit: Eine Stuckgestaltung und / oder eine Malerei an Wand oder Decke, Parkettfußböden und / oder Einbauschränke.

Bereits nach der bloßen Freilegung der Malereien zeigten sich diese in satten Farben, mit deutlichen Details und hohem Erhaltungsgrad – fast neu wirkend. Allerdings waren auch zahlreiche Schäden in sehr ungleich verteilter Häufung anzutreffen, so dass ein harmonischer Gesamteindruck oft nur mit Totalretusche der Fehlstellen zu erreichen war. Durch Retuschetechniken wie Tratteggio oder Punktretusche bleiben die retuschierten Bereiche jedoch für Jeden der etwas genauer hinsieht erkennbar.
Die Restaurierung der historischen Raumgestaltungen folgte jedoch nicht allein diesen ästhetischen Überlegungen. Im Interesse des Bauherrn mussten auch die technischen Alternativen und Notwendigkeiten, sowie die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen berücksichtigt werden. Letztendlich waren jedoch nur einige wenige Kompromisse notwendig, die sich allein darauf beschränkten Rekonstruktionen auf ein Minimum zu reduzieren und keine Auswirkungen auf die Malereirestaurieurng hatten (siehe Villa Fähndrich – Generalinstandsetzung im Bereich ARCHITEKTURPROJEKTE).

Insbesondere wurde jedoch dem Grundsatz Rechnung getragen, jeweils nur die jüngste malerische Gesaltung freizulegen und teilweise vorhandene ältere Fassungen auf diese Weise zu konservieren. Die Wiederherstellung eines stilreinen Originalzustands wurde zu keinem Zeitpunkt diskutiert.

Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

 

Deckengestaltungen – Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

Bis in die Gestaltungsphase III (1905) hinein wurde auf die Kompatibilität bzw. auf das Haftungsvermögen der neuen Malereien auf den früheren Fassungen geachtet. Die Malereien oder Elemente der vorherigen Gestaltungsphasen sind dabei teilweise in die späteren übernommen und integriert worden. Bei den Ergänzungen und Umgestaltungen orientierte man sich hinsichtlich der Formen teilweise am Vorgefundenen. Einige Decken jedoch erhielten eine vollständige Neufassungen, erst mit eindeutiger Jugendstilprägung, 1925 dann wurde die Deckenmalerei in Raum 0.04 komplett bildhaft überfasst. Eine Maßnahme, die das Ende eines bewussten Umgangs mit dem Bestand kennzeichnet.
Die anschließend vorgenommenen Renovierungsanstriche sind weder aus künstlerischer noch aus technischer Sicht als besonders hochwertig zu bezeichnen. Um den plastischen Stuck möglichst schnell, deckend überfassen zu können wurden die verwendeten Farben teilweise wie Spachtel aufgetragen. Auf diese mehrere Millimeter, in einigen Tiefen bis zu einem Zentimeter dicke Schicht folgten weitere Anstriche. Dieses Farbpaket schälte sich aufgrund ohnehin geringer Haftung und Anstrich für Anstrich immer stärker werdender Oberflächenspannung teilweise von den mit Ölfarben gemalten Deckenbildern ab. In sehr ornamentierten oder vorher angeschliffenen Bereichen war die Haftung widerum ausgesprochen stark. Was malertechnisch mangelhaft ist, stellte für die Erhaltung der Deckenmalereien einen äußerst glücklichen Umstand dar. Da man den Untergrund vor dem Neuanstrich weitgehend unbehandelt ließ, also auch nur sehr selten anschliff, zeigte sich dieser schon nach dem alleinigen Freilegen in -selbst nach der Befundung – nicht zu erwartender Schönheit und Intensität.
Dass dieser Altanstrich mit seinen unzähligen Schichten aus Leim- und Dispersionsfarben als Untergrund für Neuanstriche völlig ungeeignet ist mag neben der Absicht die Heizkosten zu mindern ein Grund gewesen sein, die vier Meter hohen Räume in den 1990er Jahren mit Abhangdecken zu versehen. Als Unterkonstruktion für diese Metallrasterdecken dienten Bretter, die ohne jede Rücksicht auf die, zumindest in Form von Stuck zu erkennende Deckengestaltung, in die Vollschalung der Decke genagelt wurden. Der Schilffrohrputz als Träger der Deckenmalereien wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Neben den so verursachten direkten Zerstörungen folgte in den letzten 15 Jahren vor der Restaurierung somit eine weitere Schädigung durch Kondensatbildung im unbeheizten Deckenzwischenraum, insbesondere in der Nähe von Rolladenkästen und im Obergesoss wegen des angrenzenden, unbeheizten Dachraums. In Teilbereichen kam eine Wasserbelastung von oben hinzu, die durch Unfälle mit Wischwasser oder Undichtigkeiten im Dach verursacht wurde.
Wie für alle Putzbereiche, so galt auch für die Decken, dass diese durch die zahlreichen gebäudetechnischen Modernisierungsmaßnahmen in der Vergangenheit und den damit einhergehenden Unter- und Aufputzinstallationen starken Beschädigungen ausgesetzt worden sind. Wegen der ohnehin geplanten Abhangdecken gab man sich zuletzt gar keine Mühe mehr irgend etwas zu reparieren. So war eine Konsolidierung und Ergänzung des Putzes als Malgrund eine sehr umfangreiche Maßnahme.
Die Rohre der ursprünglich eingebauten Gasbeleuchtung konnten bei der ersten Elektrifizierung, die bereits äußerst früh – wohl um 1895 – stattgefunden haben muss, nicht zur Verkabelung genutzt werden, da diese ein Ums-Eck-Führen des Kabels nicht gestatteten. Deshalb legte man Leerrohre und nutzte das Gewinde der letzten Rohrmuffe zur Befestigung des Kronleuchterhakens. Da dieses Prinzip bei den gegenwärtig ausgeführten Kabelverlegungen und Leuchtenmontage erneut angewandt wurde, konnten neue Beschädigungen von Putz und Malerei vermieden werden. Allerdings war die Gasleitung aufgrund geringer Putzüberdeckung mittlerweile selbst riss-, hohllagen- und fehlstellenverursachend.
Alle gebäudetechnischen Maßnahmen zwischen der ersten und der aktuellen Elektrifizierung gingen weniger zimperlich mit dem Bestand um und verursachten einige Verluste an historischen Fassungen, die sich an den Decken insgesamt jedoch in Grenzen hielten.

Deckengestaltungen - Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

 

Wandgestaltungen – Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

Bis 1925 verwendete man in den repräsentativen Räumen zur Wandgestaltung Papiertapeten mit einem Trägergewebe aus Leinen, die bei den vielen zwischezeitlichen Renovierungen fast restlos entfernt worden sind. Von den in äußerst geringer Menge erhaltenen Tapetenresten konnten ein Befund von 1925 sowie die Lincrusta-Tapete von 1905 im Treppenraum gesichert und konserviert werden.
Wurden bei den ersten Raumgestaltungen eher dunkle Tapeten bevorzugt, sind diese spätestens um 1905 heller und freundlicher gewesen. Da dieser ockrig/grünlich gebrochene Weißton dem heutigen Zeitgeschmack sehr nahe kommt und mit einer zweckgebundenen, profanen Verwaltungsbaunutzung und Arbeitsstätte gut zu vereinbaren ist, aber auch weil die Gestaltung um 1905 alle überkommenen Gebäudeteile abbildet und daher als Klammer alle Gestaltungsphasen in ihrem überkommenen Zustand zu fassen vermag, wurden die Wände in diesem Farbton gefasst (Gewerk Malerarbeiten).

In einem kleineren, zum Hof gerichteten Raum im Obergeschoss (Raum 1.08) wurde während der laufenden Arbeiten ein Teil eines gemalten Frieses im Oberwandbereich gefunden. Auch dieser wurde freigelegt und restauriert. Neben den Motiven (fressende Hühner und Enten) ist die Tatsache, dass dieser Raum mit einem Terrazzobelag versehen ist, ein weiterer Hinweis auf dessen frühere Nutzung als Küchenraum. Der Farbigkeit nach zu urteilen stammt dieser Fries aus der Zeit um 1894 / 1905.

Ebenfalls in diese Zeit zu datieren sind die oberen Puten- bzw. Festonmalereien am Wandschrank des Raum 0.01, welcher selbst in die Umbauphase von 1905 gehört. Die Malerei befindet sich nicht auf Holz, sondern auf dem Wandputz. Dies und weitere Indizien lassen vermuten, dass die Malerei nicht in diese Zeit einzuordnen ist, sondern etwas älter sein könnte. Der Wandschrank selbst ist in der befundeten, ursprünglichen Farbe gestrichen, lediglich auf die Wiederherstellung der ausgesprochen umfangreichen Vergoldungen wurde verzichtet. Dadurch wirken die Gemälde evtl. etwas verloren bzw. nicht zum Schrank gehörig…

Wandgestaltungen - Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

 

 

Treppe / Türen – Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

Mit Ausnahme der Stufen, des Handlaufs und der Tralien ist die kunstvoll gestaltete historische Holztreppe, sowie die dazugehörigen Türelemente mit mehreren aufeinanderfolgenden Gestaltungen von Holzimmitationsmalerei versehen. Darauf befanden sich mehrere monochrome Anstriche.

Aufgrund ähnlicher technischer Verarbeitungsmängel wie bei den Deckenanstrichen, zeigten die Anstriche auf Treppe und Türen ein vergleichbares Schadensbild. Die Holztreppe wurde durch das Gewerk Tischlerarbeiten konstruktiv instandgesetzt. Die Restaurierung der Malerei ist Teil der hier dokumentierten Arbeiten, bei denen auch die weitestgehend erhaltene Licrustatapete gesichert und deren Fehlstellen malerisch retuschiert wurden.

Treppe / Türen - Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

 

Fenster – Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

Während der Gestaltungsphase um 1905 verfügte das Gebäude noch über einen vollständig erhaltenen, bauzeitlichen Fensterbestand. Die innenseitige Farbgebung war ein helles, gebrochenes weiß, während die Außengestaltung eine Holzimmitationsmalerei gewesen ist. Die erhaltenen Fenster wurden durch den Tischler konstruktiv instand gesetzt, holzrestauratorisch behandelt und dem Befund entsprechend neu gefasst. Die in Anlehnung an die Originalfenster gefertigten neuen Holzfenster sind aus Eiche und wurden außenseitig lediglich transparent lackiert. Mit einer Pigmentierung des Lackes wurde die ursprüngliche Erscheinung der Fenster und somit der Fassade auf eine sehr wirtschaftliche Weise wieder hergestellt. Die rekonstruierten Holzrolläden wurden auf gleiche Weise behandelt.

Für den Tischler wurden die in Aluguss hergestellten und lediglich monochrome grundlackierten Kapitelle der Fenster mit Holzimmitationsmalerei versehen, da die ursprünglich in Zinkguss gefertigten Pfostenbekrönungen so gestaltet waren und diese Zierelemente einfarbig sehr störend wirkten. 

 

Rekonstruktionen – Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus Respekt und Wertschätzung gegenüber dem Original sollten Rekonstruktionen auf ein Minimum beschränkt bleiben. Im Rahmen der hier dokumentierten Arbeiten wurden Kopien aus Gips- und Papierstuck angefertigt und z.B. als fehlende Zapfen an der historischen Treppe verbaut oder als Zierleisten, in Bereichen wo sich auch noch nach der Retusche die früheren Ständerwandstellungen in den Säalen störend abzeichneten (Raum 1.04). Die in größerem Zusammenhang verloren gegangenen Stuckelemente wurden hingegen nicht rekonstrukiert (z.B. R 0.01-1).

Fenster - Schadensbilder und Restaurierungskonzeption

 

Methodik und Restaurierungstechnologie

Die nachfolgend näher beschriebenen Arbeiten wurden an fast allen restaurierten Malereien in mehr oder weniger großem Umfang notwendig.

 

Restaurierungstechnologie – Rückbau neuzeitlicher Bauteile

Direkt mit Malereien in Verbindung stehende, neuzeitliche Bauteile waren laut Leistungsbeschreibung durch den Restaurator der Malereien zu entfernen, um Bearbeitungsschäden an Malerei und Malgrund ganz zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum zu reduzieren. Abzumontieren waren die als Unterkonstruktion neuzeitlicher und bereits rückgebauter Abhangdecken dienenden Bretter die mit unzähligen 120mm langen Nägeln in die Vollschalung der Decke genagelt waren. 

Die Freilegung der Nagelköpfe erfolgte mit Hilfe von Stecheisen und Hammer. Anschließend wurden die Nägel mit dem Kuhfuss über das jeweilige Brett herausgehebelt, um durch den flächigen Lastabtrag eine weitere Schädigung der Malerei und des Putzes zu vermeiden. Wegen der parallel laufenden Instandsetzungsmaßnahmen am Dachwerk konnten einige Nägel von oben herausgeschlagen werden, was den Aufwand erheblich veringerte. Dabei waren jedoch die Erschütterungen durch die Hammerschläge zu begrenzen.

Ein weiterer notwenfiger Schritt war die Entfernung der noch vorhandenen Aufputz- Stromleitungen, –Kabelkanäle und weiterer Kleinteile.

Neuzeitliche Gips- und Zementergänzungen wurden entfernt, sofern durch die Entfernung nicht weitere Schädigungen zu befürchten waren.

Restaurierungstechnologie - Rückbau neuzeitlicher Bauteile

 

Restaurierungstechnologie – Freilegung

Mechanische Verfahren

Die plastische und feingliedrige Ausgestaltung der Stuckelemente war durch die vielen, teilweise spachtelartig aufgetragenen Anstriche der Vergangenheit kaum noch zu erkennen, weshalb diese vor dem Neuanstrich freigelegt werden mussten. Dabei musste natürlich auch berücksichtigt werden, dass auch diese Elemente Malerei enthalten konnten.

Elemente aus Gipsstuck, wie Medaillons und Vouten wurden historisch mit sehr scharfen Mitteln behandelt, um sie gegen Wasser unempfindlich zu machen. Da teilweise auch noch die ursprünglichen Fassungen vorhanden waren, sofern sie aus Ölfarbe bestanden, konnte bei der Freilegung ein Dampfdruckreiniger zum Aufweichen der oberen Dispersionsfarben benutzt werden, die auf vorher nicht abgewaschenen Altanstrichen aus Leimfarbe aufgebracht waren. Die Freilegung selbst erfolgte mit Skalpell und Freilegemesser.

Für die Freilegung von Bemalungen auf Gipsstuckelementen wurde ein Ultraschallgerät benutzt wie es im Dentalbereich Anwendung findet. So ließen sich insbesondere festhaftende Anstriche und die vielen Vertiefungen und Hinterschneidungen freilegen. 

Weitere effektive Methoden waren das bloße Einweichen mit warmem Wasser und das trockene Abbürsten von Leimfarbe, wodurch auch vergoldete Bereiche ohne Verluste freigelegt werden konnten. 

Die Stuckleisten aus Papierstuck waren mit einer dicken, spröden Kruste von Altanstrichen belegt. Bei längerer Bearbeitung mit leichten Hammerschlägen (leichter stumpfer Hammer, ggf. mit zusätzlichen Werkzeugen) platze ein Großteil dieser Kruste wie Eierschalen von den weicheren, flexibleren Papierstuckelementen. Da deren Ölanstrich ebenfalls sehr flexibel ist, war dies eine sehr effektive und vor allem zerstörungsfreie Methode, der natürlich noch ein Nachgang mit dem Skalpell folgen musste.

Bis auf die Jugendstilmalerei in Raum 1.03 wurden die Farbschichten auf der jeweiligen freizulegenden Malerei ausschließlich durch Abschälen mit dem Skalpell freigelegt.

Chemische Verfahren

Das Freilegen mit Hilfe der chemischen Anlösung wurde insbesondere an Treppenbauteilen angewandt, deren Eichenholz ursprünglich transparent lasiert war und bei denen diese Fassung wieder hergestellt werden sollte.

Die Freilegung einer Deckenmalerei aus dem Jugendstil gelang ebenfalls nur durch Abbeizen der neueren monochromen Anstriche (Raum 1.03).

Restaurierungstechnologie - Freilegung

 

Restaurierungstechnologie – Konsolidierung des Malgrunds / Putzes

Randsicherung und Putzfehlstellenergänzung

Nach der sorgsamen Freilegung der Malerei, insbesondere im Bereich von Putzfehlstellen folgte die Imprägnierung und Festigung der Fehlstellen und deren Ränder. Für die Randsicherung wurde eine 3-5mm dicke Schicht Kalkmörtel am Fehlstellenrand angedrückt. Je nach Tiefe des Loches erfolgte die Füllung der Fehlstelle mit ggf. mehreren Schichten Kalkputz, der hauptsächlich drückend aufgetragen wurde. Als letzte Schicht der Fehlstellenergänzungen dient eine speziell hierfür entwickelte Spachtelmasse die mit anderen Zuschlägen eine Strukturangleichung mit maximaler Varianz erreichen lässt.

Putzfehlstellenergänzung und Rissfüllungen

Je nach Machbarkeit, unter Berücksichtigung mgl. Verluste an Malerei sind Vergrößerung der Risse, die sich in die Tiefe gehend v-förmig erweitern aufgeweitet worden um sie dauerhaft mit Kalkmörtel zu verschließen. Auch hierfür war das Ultraschallgerät ein nützliches Werkzeug. Oberflächliche Haarrisse wurden mit Hilfe eines dünnen Spachtel- und Injektagematerials gesichert.

Hohllageninjektage und Rissverfüllungen

Nach der Untersuchung von Größe und Form der Hohlräume im Putz, deren genauen Verläufe und der Lokalisierung möglicher Materialaustrittstellen erfolgte die Präparierung des Bereichs und die Hohllagenhinterfüllung mit unterschiedlichen Injektagematerialien.

Nacharbeiten nach Ergänzungen und Sicherungen

Nach Abschluss der vorgenannten Arbeiten wurden evtl. Materialaustritte an Rissverläufen entfernt und geebnet. 

Restaurierungstechnologie – Konsolidierung der Malschichten

Fehlstellen in der Malschicht (abblätternde Farbe) wurden chemisch oder mit Wärme aufgeweicht und wieder angelegt.

Restaurierungstechnologie – Reinigung der Malerei

Der erste Schritt der Reinigung erfolgt mechanisch nach der Freilegung der Malerei. Der zweite Schritt ist die chemische Reinigung zur Entfernung von Schleiern und Verschmutzungen.

Restaurierungstechnologie – Retusche

Jegliche Art von Retusche wurde mit Wasserfarben ausgeführt und ist somit reversibel.

Angleichen an den Fondton mit Punktretusche

Ergänzung kleinerer Fehlstellen durch Angleichen dieser an die angrenzende Farbgebung der Malerei. Auch größere Flächen mit wenigen Details lassen sich so sehr lebhaft retuschieren.

Strichretusche

Aufgrund der ungleichen Verteilung und Häufung von Schäden in bestimmten Bereichen und völlig schadloser Malerei anderenorts, mussten die meißten größeren Fehlstellen einer intensiveren Retusche – in nicht flächigen, detaillierten Bereichen mit Tratteggio – unterzogen werden, da sonst kein befriedigendes Ergebnis erziehlt worden wäre. Dabei erfolgte über die Angleichung an den Farbton hinaus, auch eine Nachahmung der Struktur u.d.g., jedoch bleibt die Ergänzung durch die besondere Technik jederzeit vom Original zu unterscheiden.

Teilrekonstruktion / -kopie

Wenn größere Fehlstellen zu störend wirkten, insbesondere jedoch, wenn Elemente fehlten, die für die Malerei von großer Bedeutung sind und sie zweifelsfrei zu rekonstruieren waren sind Kopien vom Original angefertigt worden. Dass bei der Bemalung zu einem großen Teil Schabloniertechniken angewandt worden sind, erleichterte die Erarbeitung gesicherter Erkenntnisse als Rekonstruktionsgrundlage sehr.

Die Bereiche in denen diese Techniken angewandt wurden, sind in der Restaurierungsdokumentation klar benannt, die Arbeitsschritte selbst von der Untersuchung bis zur Fertigstellung ausführlich beschrieben. Desweiteren sind sie vor Ort zweifelsfrei vom Original zu unterscheiden.

Restaurierungstechnologie – Befundfenster

Soweit ohnehin stark geschädigte Bereiche Einblick auf frühere Fassungen gewährten, wurden klar definierte Befundfenster angelegt. Wenn sich ältere Fassungen allein durch Streiflicht in der neueren Malschicht abzeichneten, so wurde auf das Anlegen eines Befundfensters prinzipiell verzichtet.

Verwertbare Tapetenbefunde wurden restauriert und am Ort der Befundung neu angebracht, um eine Ahnung vom heute nicht mehr zu realisierenden Gesamteindruck des Raumes zu vermitteln, so wie er einmal gewollt gewesen ist.

Restaurierungstechnologie - Konsolidierung des Malgrunds / Putzes